Achillessehnenruptur

Synonyme

Achillessehnenriss, engl.: achilles tendon tear

Zur Anatomie der Achillessehne

achilles tendon

Bild: Die Achillesehne

Bei der Achillessehne (lat.: tendo calcaneus, calcaneus = Fersenbein) handelt es sich um die dickste und kräftigste Sehne des Menschens. Ihr Ursprung ist am unteren Auslauf des M. gastrocnemius (Wadenmuskel) und M. soleus (Schollenmuskel) und ihr Ansatz an der gesamten Breite des Knochenvorsprungs des Fersenbeins. Von dort verläuft sie gerade nach oben.

Sie überträgt die Kraft des Musculus gastrocnemius und des Musculus soleus, ihre Funktion besteht in der Plantarflexion, der Beugung des Sprunggelenks in Richtung Fussohle. Diese Bewegung ist wesentlich für den Abstoß des Fußes beim Gehen, Springen oder Laufen.

Entstehungsmechanismus von Achillessehnenrissen

Die Achillessehne ist sehr belastbar. Wenn sie reisst, bedeutet es meistens dass sie vorher schon vorher degenerativ vorgeschädigt war. In solchen Fällen ist die Sehne deutlich weniger belastbar, was die Entstehung dieser Verletzung, beispielsweise infolge einer maximalen Belastung, wie beispielsweise beim einem schnellen Antritt zum Sprint, beim Absprung oder bei einer Landung nach einem Sprung, begünstigt. Bei solchen Aktionen wirken nämlich besonders hohe Kräfte auf die Muskeln und Sehnen als vielfaches des Körpergewichts ein. Auch Tritte gegen die Achillessehne wie beispielsweise beim Fussbal können zu einem Riss führen. In der Regel ist ein Achillessehnenriss mit einem laut höhrbaren Knall und einem peitschenartigen Schlag mit dem Gefühl, einen Tritt gegen die Sehne bekommen zu haben verbunden. Meistens ist die Sehne ganz gerissen, sie kann aber auch nur teilweise reissen. Plantarflexion (das Einnehmen des Zehenstandes) ist nicht mehr möglich, der Verletzte kann nicht mehr normal gehen.

Neben dem chronischen degenerativen Verschleiss und den durch mechaniche Überlastung auftretenden Achillessehnenrupturen, gibt es noch andere Faktoren, welche an der Entstehung von Achillessehnenrissen beteiligt sein können:

Diagnostik

Trotz einer Achillessehnenruptur kann eine Fussbeugung mit Hilfe der tiefen Fussbeugermuskulaur und der Perenoalmuskeln durchgeführt werden. Erst der Zehenstand ist mit Hilfe dieser Muskeln nicht mehr möglich und daher ein diagnostisches Kriterium. Um die Fähigkeit zur Beugung des Fusses besser beurteilen zu können, kann der Thompson – Test durchgeführt werden, bei dem der Untersuchende auf den Wadenbereich des Verletzten drückt, wodurch im Falle einer Achillessehnenruptur die Beugung des Fusses unmöglich ist. Ein weiteres Zeichen ist die Tastbarkeit von Dellen im Rupturbereich. Ein Problem, das bei der Diagnostik auftreten kann, ist dass diese anfängliche Dellenbildung nach mehreren Stunden durch Bluterguss und Schwellung nicht mehr tastbar ist. Im Zweifelsfall gib die Ultraschalluntersuchung eine eindeutige Antwort.

Therapie

Achillessehnenrisse stellen laut mehrerer Autoren einen Operationsgrund dar. Bei der Diagnose kann mittels Ultraschall der Grad der Achillessehnenruptur bewertet werden. Wenn der Untersuchende sieht, dass die Rissenden sich in Spitzfusstellung beim Absenken berühren, so ist das Zusammenheilen der Sehnenenden möglich und es kann eine funktionelle konservative Therapie mit einem Achillessehnenschuh für 6 Wochen erfolgen (Maibaum et al. 2006). Bei einem solchen Schuh mit Absatzerhöhung wird der Fuß in eine Spitzfußstellung gehoben, wodurch die Sehnenenden einen Kontakt herstellen können.

Findet der Untersuchende heraus, dass die Sehnenenden zu weit voneinander entfernt sind, ist eine Operation indiziert. Bei der frischen Sehenruptur besteht die operative Therapie in einer feinadaptierenden Naht oder einer Durchflechtungsnaht, bei der die beiden Sehnenenden durch 8er-förmige Gänge adaptiert werden. Bei der Operation werden Zerissene und abgestorbene Sehnenanteile entfernt und die Sehnenenden zusammengenäht. Nach einer Opeartion erfolgt eine Ruhigstellun für 7-10 Tage in einer Gipsschiene zum Abschwellen, Entlastung an 2 Unterarmgehstüzen, und Beginn einer Komplexteraphie. Der Achillessehnenschuh soll tagsüber für weitere 5 Wochen unter Benutzung der Unterarmstützen getragen werden, jedoch mit Teilentlastung (halbes Körpergewicht).

Im Vergleich der Therapieformen wird der operativen Therapie insgesamt eine größere Heilungsrate und ein akzeptables Risiko von Komplikationen zugeschrieben (Wong et al.2002).

Literatur

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Chaslerie A, Bannwarth B, Landreau JM, Yver L, Begaud B. Tendon rupture and fluoro-quinolones: an undesirable effect of drug selection. Rev Rhum Mal Osteoartic. 1992 Apr;59(4):297-8.

Maibaum, S.; M. Braun; B. Jagomast; K. Kucera.: Therapielexikon der Sportmedizin, 2. Aufl. S. 10-11, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2006

McQuillan R, Gregan P. Tendon rupture as a complication of corticosteroid therapy. Palliat Med. 2005 Jun;19(4):352-3.

Van der Linden PD, Sturkenboom MC, Herings RM, Leufkens HM, Rowlands S, Stricker BH. Increased risk of achilles tendon rupture with quinolone antibacterial use, especially in elderly patients taking oral corticosteroids. Arch Intern Med. 2003 Aug 11-25;163(15):1801-7.

Ribard P, Audisio F, Kahn MF, De Bandt M, Jorgensen C, Hayem G, Meyer O, Palazzo E.: Seven Achilles tendinitis including 3 complicated by rupture during fluoroquinolone therapy. J Rheumatol. 1992 Sep;19(9):1479-81.

Steinbrück S: Achillessehnenrupturen im Sport - Epidemiologie, aktuelle Diagnostik, Therapie und Rehabilitation. Analyse von 791 Fällen. Deutsche Zeitschrift für Sportmedizin 2000; 51, 5: 154 – 160.

Wong, W, Barrass, V, Maffulli, N.: Quantitative Review of Operative and Nonoperative Management of Achilles Tendon Ruptures American Journal of Sports Medicine 1000; 30:565-575

Bildnachweis

Gray, Henry. Anatomy of the Human Body. Philadelphia: Lea and Febiger, 1918; Bartleby.com, 2000. www.bartleby.com/107/. [Date of Printout].

Submitted by Nizar Abu-Hamdeh