Femoro-patellares-Schmerzsyndrom
Synonyme
Kniescheibenrückflächen Syndrom, Chondromalacia patellae, femoro-patellares Malalignment, engl.: patellar chondropathia
Definition
Die Chondropathia patellae ist eine häufig auftretende Erkrankung des Knorpels der Kniescheibenrückseite, die vor allem Jugendliche, Mädchen häufiger als Jungen, betrifft. Laut den Untersuchungen von Steininger et al. (1990) findet sich diese Knieverletzung schon bei 17 % aller 8- bis 13-jährigen nicht sporttreibenden Kinder, bei aktiven Kindern nimmt die Zahl der krankhaften Befunde in Abhängigkeit vom Trainingsalter von 16 % auf 45 % zu.
Obwohl die Ursachen der Chondropathia patellae noch nicht vollständig geklärt sind, ist bekannt dass mehrere endogene und exogene Faktoren zu Ihrer Entstehung beitragen.
Entstehungsmechanismen
Exogene Faktoren sind eng mitsportartspezifischer Überbelastung verbunden: Immer wieder auftretende Mikrotraumen lösen durch den Summationseffekt Schädigungen des gesunden Knies aus. Solche Mikrotraumen werden vor allem in Sportarten mit Stoß-, Druck-, und Schlagbelastungen provoziert.
Fehltraining: Eine Dysbalance zwischen Belastbarkeit und Belastung spielt eine zentrale Rolle für die Entstehung der Chondropathia patellae. Die korrekte Auswahl der Trainingsgestaltenden Faktoten wie Intensität, Umfang, Häufigkeit und Regenerationszeit sind wichtig, um das Risiko für das Auftreten dieser Erkrankung zu verringern.
Die Chondropathia patellae kann im Zusammenhang mit anderen Knieverletzungen sekundär ausgelöst werden. Zum Beispiel kann ein chronischer Kapselbandschaden durch Gelenkinstabilität Veränderungen der biomechanischen Bewegungsabläufe und Krafteinwirkungen führen oder ein Meniskusschaden muskuläre Schon / Fehlführung mechanische Läsionen verursachen. Ein weiteres Beispiel wäre die Schädigung der Gelenkinnenhäute. Dies kann ihre Funktion der Bildung von Gelenkschmiere beeinträchtigen, was Auswirkungen auf den Knorpel hat.
Muskuläre Dysbalancen: Im Zuge muskulärer Dysbalancen innerhalb der Kniestrecker (M. Quadriceps) Muskulatur, genauer gesagt, zwischen dem M. vastus medialis und dem M. vastus lateralis. Ist der M. vastus medialis schwächer als der M. vastus lateralis, kommt es zu einer Veränderung des physiologischen Kniescheibenssehnenzugs. Muskuläre Dysbalancen in diesem Bereich entstehen oft durch längere Ruhigstellung und unausgeglichenes Training. Innervationsstörungen auf Grund von Funktionsstörungen der Lendenwirbelsäule können auch zu muskulären Dysbalancen führen.
Anlagebedingte Veränderungen der Kniescheibe (Dysplasie)
Anlagebedingte Bandlaxazität, z.b. Überstreckbarkeit der Gelenke
Symptome
Knieschmerzen bei längerem Sitzen
Knieschmerzen nach sportlicher Belastung
X - Beinfehlstellung
Druckschmerz an der Kniescheibenspitze und der Kniescheibenrückfläche
Kniescheibenanpress oder Verschiebungsschmerz (Zohlen - Zeichen)
Schmerzen beim Treppabwärts gehen
Hypomobilität kleiner Wirbegelenke der Lendenwirbelsäule und Nervendehnungszeichen für L3 und L4 Nervenwurzel
Fühlbares Gelenkreiben während Flexion und Extension des Kniegelenks
Therapie
Folgende Maßnahmen haben sich für die Behandlung dieser Verletzung als wirksam erwiesen (Maibum et. al 2006, Geiger 1997):
Salbenverbände Nachts z.b: Enelbin, Zinkleim Verband
Trainingsumstellung oder Trainingspause
Mehrmals tägliche Kryotherapie (Überbegriff für alel Formen der Eis bzw. Kälteanwendungen)
Regelmäßiges Kraft Training der Kniestrecker Muskulatur unter besonderer Berücksichtigung des M. vastus medialis
Regelmäßiges Dehnen des Quadriceps
Iontophorese, Ultraschall
Medikamente:
Diclofenac 75 mg für 3-5 Tage;
Glucosamin - Chondroitinsulfat-Präparate
Bei Sportaufnahme:
Kniegelenkbandagen die die Kniescheiben nach innen ziehen
Pulsierende Signaltherapie
Kinesio Taping
Bleibt der Erfolg nach Anwendung aller konservativen therapeutischen Maßnahmnen aus, wären operative Maßnahmen eine weitere Option:
Retinakulotomie: Durchtrennung der äußeren Kapselanteile führt zur Innenverlagerung der Patella
Versetzung des knöchernen Sehnenansatzes nach Maquet (1976)
Athroskopische Glättung der Kniescheiben Gelenkfläche und Pridiebohrungen
Prevention
Richtige Planung und Organisation des Trainingsprozesses
Tragen von Knieschützern
Geeignete orthopädietechnische Maßnahmen zur Vermeidung
Literatur:
Geiger, L.:Überlastungsschäden im Sport. BLV Sportwissen 1997
Maibaum, S., M. Braun, B. Jagomast, K. Kucera: Therapielexikon der Sportmedizin. Behandlung von Verletzungen des Bewegungsapperates, 2. Aufl. Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2006
Maquet, P: Clinical Orthopaedics und Related Research. 1976 Mar-Apr;(115):225-30.
Steininger, K., Wodick RE., Späte W.: Chondropathia patellae--study of the femoropatellar joints of healthy, athletic children. Sportverletzung- Sportschaden. 1990 Jun;4(2):87-91.
Submitted by Nizar Abu-Hamdeh