Nervenengpass Syndrome im Bereich des Ellbogengelenks
1) Das Supinatorsyndrom
1.1) Ätiologie und Pathogenese
Das Supinatorsyndrom (Radialiskompressionssyndrom, Frohse Syndrom) ist ein Engpaßsyndrom, verursacht durch die Einengung des tiefen Astes (Ramus profundus) des Nervus radialis im Bereich des Supinatortunnels, ein ohnehin schon enger Tunnel zwischen oberflächlicher und tiefer Schicht (Frohse’sche Arkade) des Supinator Muskels. Mehrere Ursachen kommen für die Entstehung in Frage:
Ulna und Radiusfrakturen
Chronische Überlastung bei Sportarten bei denen es häufig zu maximaler Anspannung des in pronierter Beugestellung vorgespannten Supinatormuskels kommt, was zur Verdickung und sehniger Verhärung des Muskels mit Einengung des Nervus radialis im Supinatorkannals kommt (Geiger, 1997)
Entzündungen
1.2) Risikogruppen
Diese Verletzung tritt häufig bei Sportkletterern, Turnern und Gewichthebern auf (Geiger, 1997), aber auch bei Klavier undTennisspielern (1)
1.3) Symptome und Diagnose
Folgende Symptome treten bei dieser Verletzung auf (2):
Schmerzen am Epicondylus lateralis, Druckschmerz an der Vorderseite des Radiusköpfchens, Schmerzen im oberen drittel des Untearms bei Anspannung der Muskeln
Motorischen Ausfällen im Sinne des Defizits der Langfinger-, Daumen- und Handgelenksstreckung
Die Diagnose wird endgültig durch ein ein EMG Elektromyogramm ergänzt
1.4) Therapie
Geiger (1997) beschreibt folgende Therapiemöglichkeiten:
In akuten Fällen: konservativer Therapieversuch mit Belastungspause und nachfolgender Belastungsumstellung, nicht steroidale Antirheumatika, Vitamin B Komplex, lokale Gel und Salbenanwendung
In chronischen Fällen und bei schwerwiegenden EMG Veränderungen: operativer Eingriff
2) Pronator Teres Syndrom
2.1) Ätiologie und Pathogenese
Es handelt sich um eine Schädigung des Nervus medianus, welcher an der Stelle eingeengt, wo er durch den Musculus pronator teres hindurch tritt.
Mögliche Ursachen:
Tumorbildungen (Kröpfl [3], Jerosch 1999)
Vorhandensein von fibrösen Bandverbindungen im Bereiche der Muskelanteile des Musculus pronator teres (Kröpfl, [2])
Hypertrophie des Musculus pronator teres angegeben, wie sie bei bestimmten manuellen Tätigkeiten auftreten kann (Kröpfl [2], Jerosch 1999)
Besonders kraftvolle Pro und Supinationsbelastungen bei gestrecktem Arm, wie sie bei Wurfbewegungen auftreten, aber auch plötzliches Abbremsen von Schlagbewegungen mit gestrecktem Ellbogengelenk gegen Widerstand können dieses Nervenkompressionsyndrom provozieren(Geiger, 1997)
2.2) Risikogruppen
Wurfsportarten: Speer, Diskus
Ballsportarten: Handball, Basketball
Kampfsportarten: Karate, Taekwondo
2.3) Symptome und Diagnose
Folgende Symptome werden von Geiger (1997) beschrieben:
Schwäche der Daumen, Zeige - und Mittelfinger
Sensibilitässtörungen in diesen Fingern und der Ringfingerinnenseite
Druckschmerz und Schmerz bei Pronation gegen Widerstand über den Pronator teres Abschnitt
2.4) Therapie
Entspricht laut Geiger dem Therapieprinzip des Supinatorsyndroms.
3) Nervus interosseus antebrachii anterior Syndrom
3.1) Ätiologie und Pathogenese
Eine Kompression des Nervus interosseus antebrachii anterior.
Ursächlich kann eine Kompression durch fibröse Bindegewebsstränge in seinem Verlauf im Unterarmbereich vorliegen, unter Umständen nach Unterarmfrakturen (Kröpfl [3]).
Wie beim Pronator teres syndrom können auch hier laut Geiger (1997) besonders kraftvolle Pro und Supinationsbelastungen bei gestrecktem Arm zum Beispiel bei Wurfbewegungen auftreten, aber auch plötzliches Abbremsen von Schlagbewegungen mit gestrecktem Ellbogengelenk gegen Widerstand dieses Nervenkompressionsyndrom provozieren
3.2) Risikogruppen
Siehe Pronator teres syndrom
3.3) Symptome und Diagnose
Beugeschwäche im Daumen und Zeigefingerendgelenk
Druckschmerz etwas unterhalb des Pronator teres
3.4) Therapie
Entspricht dem Therapieprinzip des Supinatorsyndroms
4) Sulcus-ulnaris-Syndrom
4.1) Ätiologie und Pathogenese
Der Nervus ulnaris verläuft am Ellbogengelenk in einer recht engen knöchernen Rille des inneren Oberarmknorrens, Sulcus ulnaris genannt. Dieser Nerv ist jedem bekannt, der einmal einen Stoss auf diesen Bereich erlitten hat, welcher mit elektrisierenden Empfindungen verbunden ist. Auf Grund seines Verlaufes führt jede Bewegung im Ellbogengelenk zu dessen Anspannung. Daher können zu hohe Zugbelastungen, wie sie bei Wurfbewegungen auftreten, aber auch exzessive Beuge oder Streckbewegungen mit Zusatzgewichten diesen Nerv irritieren. Die Entstehung kann durch andere Faktoren wie Cubitus valgs, Subluxationstendenz des Nervs aus dem Sulcus, Knochenzacken oder alte Verketungen begünstigt werden. Auch Schnitt oder Stichverletzungen Quetschungen und Zerrungen gehören zu den möglichen Ursachen.
4.2) Risikogruppen
Aufgrund des oben beschriebenen Entstehungsmechanismus gibt es für diese Verletzung bestimmte Risikogruppen. Dazu gehören in der Leichtathletik die Wurfdisziplinen, im Team Sport vor allem Handball, im Kraftsport vor allem die exzessive Ausführung von Ellbogengelenk Beugeübungen mit Zusatzlasten und die Stockarbeit im Skilanglauf.
4.3) Symptome
Die Symptome dieser Verletzung sind neben Gefühlsminderung auch Schmerzen an der Innenseite des Ellbogens, der zum vierten und fünften Finger ausstrahlt, und sich bei Beuge und Streckbewegungen verstärkt. Auch Druckschmerz über dem Sulcus ulnaris mit eventuellem Auslösen von einem Gefühl der Elektrisierung zählen zu den Symptomen. Ein weiteres Symptom ist Beugeschwäche sind Beugeschwäche des Klein und Ringfingers im Engelen.
Beim Neurologen erfolgt die Diagnose mittels Elektomyographie und Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit.
4.4) Therapie
Laut Kröpfl [3] werden im Anfangsstadium konservative Maßnahmen angewandt, bei deren Versagen bzw. in fortgeschrittenen Fällen ein operativer Eingriff indiziert wird. Bei der operativen Revision wird die Bandverbindung zwischen dem ulnaren Oberarmknorrens und dem Olecranon, welche das Dach des Tunnels, durch den der Nervus ulnaris zieht, darstellt, durchtrennt und eine Neurolyse des Nervus ulnaris durchgeführt.
Literatur
[1] Assmus H.: Nervenkompressionssyndrome. Springer, Berlin-Heidelberg-New York, 2003
[2] Geiger, L.: Überlastungsschäden im Sport, 1. Auflage, S.106-109, BLV Sportwissen 1997
[3] Kröpfl, A: Nervenkompressionssyndrome der oberen Extremität: www.unfallchirurgen.at/download/agenda/25_kroepfl.pdf
[4] Jerosch, J.: Sportmedizin Kompendium. http://www.gvle.de/kompendium/unterarm/06/01.html, 1999
[5] Zentrum für Orthopädie und Neurochirurgie.: Supinator-Syndrom. http://www.orthopaedie-neurochirurgie.info/supinator.html
Submitted by Nizar Abu-Hamdeh