Anatomische und funktionelle Grundlagen der Gelenke
Aufbau von Gelenken
Ein Gelenk (lat. Articulatio) ist aus anatomischer Sicht eine bewegliche Knochenverbindung. Je nachdem, wie Skelettstücke miteinander in Verbindung stehen, unterscheidet man echte und unechte Gelenke.
Unechte Gelenke
Bei den so genannten unechten Gelenken erfolgt die Verbindung der Skelettanteile durch Füllgewebe aus Bindegewebe- und / oder Knorpelanteilen.
Hierbei kann man zwischen bandhaften Verbindungen, knorpelhaften Verbindungen, und knochenhaften Verbindungen unterscheiden.
Echte Gelenke
Aufgrund der Trennung der Skelettabschnitte durch einen Spalt hat ein echtes Gelenk keine kontinuierliche Verbindung. Außer diesem Gelenkspalt charakterisiert sich ein echtes Gelenk durch unterschiedlich geformte, mit Knorpel überzogene Gelenkflächen, eine Gelenkhöhle und die abschließende Gelenkkapsel. Die Gelenkkapsel, von der das Gelenk umschlossen ist, besteht aus Knochenhaut (Periost) und zieht von Knochen zu Knochen über das Gelenk hinweg.
Von der Membrana synovialis, der Innenmembran der Gelenkkapsel, wird Gelenkschmiere (Synovia) abgesondert. Diese hat eine Schmierfunktion zur Minimierung der Reibung zwischen den Gelenkflächen. Weiters dient sie zur Ernährung des Gelenkknorpels und der intraartikulären Strukturen (Disci, Menisci, intraartikuläre Bänder und Sehnen).
Die Außenhaut der Gelenkkapsel (Membrana Fibrosa) besteht aus straffem kollagenfaserigen Bindegewebe und fügt das Gelenk in die Umgebung ein. Zahlreiche Gelenke werden ausserdem noch durch "Kapselbänder" verstärkt. Bei einer Ruhigstellung des Gelenks verkürzen sich die Bindegewebsfasern, was zu einer Einschränkung der Gelenkbeweglichkeit führt.
Die Kontaktflächen der Knochen sind mit hyalinen Knorpel überzogen. Der Gelenkknorpel (Cartilago articularis) ist 1-6 mm dick und an der Grenze zum Knochen verkalkt. Er ist etwas verformbar und gleicht kleinere Unebenheiten der Gelenkkörper aus. Durch die glatte Oberfläche und seinen einzigartigen und komplexen Aufbau ermöglicht er einen reibungs- und schmerzfreien Ablauf von Bewegungen.
Abb.1. Bau eines Gelenks. Li.: Längsschnitt (nach Graf, aus Kuhn 1979)
Gelenkformen
Die Einteilung der Gelenke kann nach der Zahl der am Gelenk beteiligten Knochen unterschieden werden. Beim einfachen Gelenk (lat.: Articulatio simplex) sind, wie in den meisten Gelenken der Fall ist, nur 2 Knochen beteiligt. Beispiele für ein einfaches Gelenk sind das Schultergelenk und das Hüftgelenk. Bei einem zusammengesetzten Gelenk (Articulatio composita) sind mehr als 2 Knochen beteiligt wie zum Beispiel beim unteren Sprunggelenk oder beim Ellbogengelenk.
Darüber hinaus kann man Gelenke nach der Form der Gelenkkörper unterscheiden. Rauber / Kopsch (1987) zeigen eine schematische Darstellung der Gelenkformen und ihrer Bewegungsmöglichkeiten in der folgendender Abbildung:
| Tabelle 1: Einteilung der Gelenke nach der Zahl der Hauptachsen (vgl. Lippert, 2000) | ||
| Freiheitsgrade | Gelenkart | Beispiel |
| 1 | Rad- oder Zapfgelenk | Gelenk zwischen 1. und 2. Halswirbel |
| 1 | Scharniergelenk | Ellbogengelenk zwischen Oberarm und Elle |
| 2 | Eigelenk | proximales Handgelenk |
| 2 | Radwinkelgelenk | Kniegelenk |
| 2 | Sattelgelenk | Daumensattelgelenk |
| 2 | Ebenes Gelenk | Halswirbelsäule |
| 3 | Kugelgelenk | Schultergelenk, Hüftgelenk |
Wie die Tabelle zeigt, ergeben sich auf Grund der Gelenkform unterschiedliche Bewegungsmöglichkeiten, so dass eine Einteilung der Gelenke nach der Anzahl der Freiheitsgrade sinnvoll ist. Als Freiheitsgrade bezeichnet man die Zahl der senkrecht aufeinander setzenden Hauptachsen, um welche einem Gelenk Bewegungsmöglichkeiten eröffnet werden.
Literatur:
Kuhn, W.: Funktionelle Anatomie des menschlichen Bewegungsapparates. Schorndorf 1979
Lippert, H.: Lehrbuch Anatomie. 5. Auflage. Urban und Fischer, München-Jena 2000.
Rauber, A.; Kopsch, F.: Anatomie des Menschen. Band 1 Bewegungsapparat. Stuttgart, New York 1987
Submitted by Nizar Abu-Hamdeh