Jumper's Knee
Synonyme:
Patellaspitzen-Syndrom, infrapatelläre Insertionstendopathie, Patellare tendinitis
Definition
Es handelt sich um eine entzündliche Reizung der Patellasehne, die sehr häufig bei Sprungsportlern (Maurizio 1963) auftritt, da durch Biomechanische Faktoren beim Springen und bei ähnlichen Bewegungsmustern die Sehne starken Zug- und Scherbelastungen unterliegt. Daher wurde sie von Blazina (1973) als Jumper's Knee (Springerknie) bezeichnet.
Ätiologie
Sowohl endogene als auch exogene Faktoren sind an der Entstehung beteiligt. Feretti (1986) gibt als endogene Faktoren Alter, Geschlecht, Quadriceps Winkel, die Position der Patella, tibiale / femorale Rotation und Kniestabilität an. Auch muskuläre Dysbalancen zwischen Kniebeuger(M. biceps femoris) und Kniestrecker (M.quadriceps femoris), wobei letztere oft tonisch sind (Witvrouw et al. 2001) werden für das Entstehen dieser Verletzung verantwortlich gemacht.
Exogene Faktoren sind meistens Fehlbelastungen, wobei Dysbalancen zwischen Belastung und Belastbarkeit vorliegen, welche in Mikrotraumen in der Sehnenansatzstelle resultieren. Training auf harten Belägen wird von Feretti auch als Risikifaktor vorgeschlagen. So können die Kräfte, die beispielsweise beim Landen von einem Sprung auf die Knie einwirken, nicht ausreichend vom Boden absorbiert werden. Colosimo und Bassett(1990) führen nicht nur die Grösse der Krafteinwirkung, sondern auch deren Dauer und den Kniewinkel während der Belastung als Hauptgründe für die Entstehung der exogen bedingten Tendinitis an.
Eine Theorie besagt, dass patellares Impingement, wobei die untere Spitze der patella gegen die Patellasehne bei Kniebeugung eingeklemmt wird, auch ein Faktor für die Entstehung des Jumper's Knee ist (Johnson et al. 1996). Diese behauptung hat sich aber noch nicht durchgesetzt (Schmidt et al. 2002). Dieser Studie nach zufolge gibt es aus biomechanischer Sicht keinen Beweis für die Impingement Theorie.2002).
Sportarten mit hohem Risiko
Hochsprung, Weitsprung, Basketball, Gewichtheben, Bodybuilding, Kraftdreikampf, Volleyball, Radfahren, Joggen
Symptome
Folgende Symptome treten bei dieser Verletzung auf:
Schmerzen an der Kniescheibenspitze
Rötung und Üverwärmung
Schwellung
Hoffa'scher Fettkörper verdickt
Klassifikation nach Blazina et al. (1973) und Roels et al. (1978)
Grad I: Die Symptome treten nur nach der Belastung auf
Grad II: Schmerzen und Unbehagen während dem Ausüben der Aktivität, die aber nicht intensiv genug sind um die Aktivität abbrechen zu müssen
Grad III: Intensive Schmerzen während und nach der Belastung, auf Grund derer die Aktivität abgebrochen werden muss
Grad IV: Riss der Patellasehne oder Teilriss der Sehnenstruktur
Diagnose
Folgende, für die Diagnose des springerknies relevante Zeichen können dem Arzt bei der Untersuchung auffallen:
Druckschmerz über der Kniescheibenspitze
Bei Palpation kann man bei ausgestrecktem Kniegelenk und entspannter Sehne weiche Stellen ertasten
Diese weichen Stellen werden bei gebeugtem Knie und gespannter Sehner nicht ertastet
Atrophierter M. quadriceps
Steiffheit im M. quadriceps und M. biceps femoris
Rötung und Überwärmung
Sichtbare Schwellung
Die apparative Diagnostik beinhaltet eine sonographische Untersuchung. Hier findet man im oberen Teil der Patellasehne sowie im Bereich des unteren Randes der Patella ein periartikuläres Ödem. Sehnenverdickung, ein unregelmäßig begrenztes Sehnengleitgewebe sowie eine uneinheitliche Sehnenstruktur sind weitere Auffäligkeiten. Mittels MRI können neben der fein morphologische Abklärung der Patellasehne und des Apex patellis auch andere Erkrankungen des Knies ausgeschlossen oder nachgewiesen werden.
Therapeutische Maßnahmen
Allgemein ist die Chance auf eine vollständige Heilung nach Erleiden dieser Verletzung unter Anwendung von konservativen Maßnahmen sehr gut. Es muss jedoch vorsichtig und geduldig vorgegangen werden, da die vollständige Genesung, abhängig von vielen Faktoren wie Kooperativität des Patienten und Grad der Verletzung, mehrere Wochen bis Monate dauern kann. Im folgenden sind Behandlungsmethoden angeführt die sich in der Praxis als effektiv erwiesen haben und im Therapielexicon der Sportmedizin von Maibum et al. (2006) vorgeschlagen werden.
Akute Phase
Reduktion der Trainingsbelastung (Intensität, Volumen, Häufigkeit) und in manchen Fällen vorübergehende Trainingseinstellung
Lokale Kälteanwendung, 5-6 x täglich
Anwendung von Hyzum-Umschlägen tagsüber, mit schwamm und elastischer Binde. Zusätzlich Kühleffekte durch Eisbeutel 15-20 min
Nachts Umane Schlickbinden
Postakute Phase
Kältetherapie, Ichtol Bäder
japanisches Heilpflanzen Öl
tagsüber und nachts die gleichen Verbände wie unter akut
Entzündungsbestrahlung
Chronisch
Therapien wie unter Postakuter Phase
Körperliche Aktivität die keine Schmerzen provoziert
Nach dem Training feuchtkalte Umschläge
Akupunktur
Ultraschall
Röntgentiefenbestrahlung
Operative Maßnahmen
Falls konservative Methoden keinen Erfolg mit sich bringen und / oder die Lebensqualität durch die Symptome eingeschränkt wird, gibt es mehrere operative Maßnahmen die sich als effektiv erwiesen haben. Diese sind aber aufgrund der guten Prognose bei konservativen Therapiemethoden eher ein letzter Ausweg.
Entfernung des Sehnengleitgewebes
Denervierung der Sehnenumgebung
Sehnenlösung an der Kniescheibenspitze
Entfernung des degenerativen Areals (auch arthroskopisch möglich)
Sehneninzisionen in Längsfaserrichtung
Prevention
Es wird oft vorgeschlagen, sportliche Aktivitäten, die die Patellasehne reizen, vollständig zu vermeiden. Es ist jedoch erwiesen, dass richtiges Training nicht nur die Muskulatur, sondern auch die die Strukturen des Knies kräftig. Dies trifft auch auf die anderen Körperteile zu. Daher ist es ratsam, nicht vollständig auf Belastungen zu verzichten, sondern vielmehr darauf zu achten, diese richtig zu setzen. Ein richtiges Verhältnis zwischen Belastung und Belastbarkeit muss in erster Linie hergestellt werden. Dieses kann durch langsame, aber progressive und richtige Steigerung der Trainingsparameter wie Intensität und Volumen gewährleistet werden. Auch die Kräftigung der Antagonisten jeder Muskelgruppe und regelmäßiges Dehnen zum Vermeiden von Verkürzungen ist nur zur Prevention des Springerknies von grosser Bedeutung.
Literatur
Blazina ME, Kerlan RK, Jobe FW, et al. Jumper's knee. Orthop Clin North Am. Jul 1973;4(3):665-78.
Colosimo A, Bassett F. Jumper’s knee. Orthop Rev 1990;19:58–62.
Ferretti A.Epidemiology of jumper's knee. Sports Med. 1986 Jul-Aug;3(4):289-95.
Johnson DP, Wakeley CJ, Watt I..:Magnetic resonance imaging of patellar tendonitis. J Bone Joint Surg Br. 1996 May;78(3):452-7.
Maibaum, S.; M. Braun; B. Jagomast; K. Kucera.: Therapielexikon der Sportmedizin, 2. Aufl. S. 121-122, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2006
Maurizio E: La tendinite rotulea del giocatore di pallavolo. Arch Soc Tosco Umbra Chir 24:443 –447,1963;
Roels J, Martens M, Mulier JC, Burssens A. Patellar tendinitis (jumper's knee). Am J Sports Med. 1978 Nov-Dec;6(6):362-8.
Schmid MR,Hodler J,Cathrein P,Duewell S,Jacob HA,Romero J. ;Is impingement the cause of jumper's knee? Dynamic and static magnetic resonance imaging of patellar tendinitis in an open-configuration system. Am J Sports Med. 2002 May-Jun;30(3):388-95.
Witvrouw E, Bellemans J, Lysens R, Danneels L, Cambier D. Intrinsic risk factors for the development of patellar tendinitis in an athletic population. A two-year prospective study. Am J Sports Med. 2001 Mar-Apr;29(2):190-5.
Submitted by Nizar Abu-Hamdeh