Die vordere Kreuzbandruptur

Synonyme: Kreuzbandriss, engl. ACL tear

Ätiologie

Vordere Kreuzbandrisse sind typische Sportverletzungen, welche vor allem beim Fussball, Basketball, Skifahren oder bei Kampfsportarten auftreten. Sie können aber auch durch sonstige Unfälle entstehen. Vordere Kreuzbandrupturen kommen allgemein durch eine Drehung des Körpers zustande während der Fuss noch fest am Boden aufgesetzt ist (dabei kommt es zu einer verdrehung des Kniegelenks), oder durch Hyperextension (Überstreckung) des Kniegelenks, d.h: exzessive Vorwärtsbewegung des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel.

ACL Riss

Der Betroffene hört einen lauten Knall oder ein Krachen und spürt starke Schmerzen im Verletzten Knie. Anschliessend hat das meistens, da sich ein Bluterguss bildet, eine schnelle und starke Schwellung des Kniegelenks zufolge.

Beispiele

Schneller Richtungswechsel beim Fussball: Der Spieler setzt aus dem Lauf seinen Fuss fest am Boden auf während er versucht die Laufrichtung zu wechseln, und verdreht sich dabei das Kniegelenk.

Landung nach einem Sprung mit gestreckten Beinen: Der Sportler setzt den Fuss setzt nach einem Sprung am Boden auf während die Knie durchgestreckt sind, und überstreckt sich dabei das Kniegelenk.

Weibliche Athleten sind häufiger bettroffen

Studien zeigen dass weibliche College Athleten häufiger vordere Kreuzbandrupturen erleiden als männliche Sportler (Arendt und Dick, 1995). Diese höhere Inzidenz bei Frauen hängt von verschiedenen Faktoren abhängt die noch nicht vollständig geklärt sind (vgl. Arendth und Dick 1995, Arendt et al.1999). Mögliche Faktoren sind muskuläre Schwächen, Q-Winkel und andere anatomische Gegebenheiten.

Frühe Daten schlagen vor dass ein wesentlicher Grund unter anderem ein schlechteres Muskelaktivierungsmuster bei Frauen ist. Diese Hypothese wird durch eine Studie unterstützt die belegt dass richtige Trainingsprogramme zur Prevention die Biomechanik der Bewegungen verbessern und somit zur Vorbeugung von Kreuzbandrupturen beitragen (Myer 2005).

Klinik und Diagnostik

Der Arzt kann mittels verschiedener Tests Kreuzbandrupturen nachweisen. Einer dieser Tests ist der Lachmann Test (Draper 1990) oder der modifizierte Lachmann Test (Whitehill et al. 1990).

Beim Lachmann Test wird der Bewegungsumfang des Knies getestet indem der Arzt bei ca. 30° gebeugten Knie die Tibia so lange nach vorne bewegt bis er Aussagen über einen vergrösserten Bewegungsumfang treffen kann was für ein positives Testergebnis spricht. Wenn das vordere Kreuzband nämlich gerissen ist, kann der Unterschenkel über den normalen Bewegungsumfang hinaus hinausbewegt werden. Das ist klar weil das Kreuzband, da es gerissen / eingerissen ist, nicht mehr die exzessive vorwärtsbewegung der Tibia aufhalten kann.Der Anschlag am Ende des Bewegungsumfangs ist dann weich und schwammig. Ist das Kreuzband nur eingerissen, ist der normale Bewegungsumfang auch erhöht aber der Anschlag ist hart.

Der von Whitehill (1990) vorgeschlagene modifizierte Lachmann Test ist eine Alternative die den Vorteil hat, dass sie im Vergleich zum Lachmann Test für manche Ärzte einfacher durchzuführen ist: Die Fähigkeit, den test durchzuführen, ist nicht mehr von der grösse der Hände oder der Kraft des Untersuchers abhängig. Der zu Untersuchende liegt am Rücken wobei sein Knie an der Kante des Betts positioniert ist, und der unterschenkel vom Bett herunterhängt bei einer Beugung von ca. 30°. Wenn das linke Knie belastet wird, wird die rechte hand des Untersuchers unter den distalen Oberschenkel gelegt um ihn zu stabilisieren. Die rechte Hand ist über dem proximalen Teil des Unterschenkel gelegt und zieht ihn nach vorne. Der rechte Oberschenkel des untersuchers unterstützt den Unterschenkel und vermindert die Spannung für das vordere Kreuzband. Der übermäßige Bewegungsumfang, der das Testergebnis positiv macht, ist ungefähr 6-10 mm.

Ein weiterer Test der vom Arzt angewendet werden kann ist der Vordere Schubladen Test. Dieser wird so durchgeführt, dass in Rückenlage bei 90° Beugewinkel im Knie getestet wird. Der Arzt setzt sich auf den Fuss des Patienten und zieht den Unterschenkel nach vorne. Wenn das vordere Kreuzband gerissen ist, dann gleitet der unterschenkel gegenüber dem Oberschenkel nach vorne. Das testverfahrern wird in Innenrotation, Aussenrotation und Neutralstellung durchgeführt und die Ergebnisse mit der Gegenseite verglichen.

Auch der Pivot-Shift-Test ist eine Option die verwendet werden kann. Dabei umfasst der Arzt mit einer Hand den Fuss des Patienten, und greift mit der anderen Hand seitlich an das Knie. Mit der proximalen Hand wird ein Valgusstress erzeugt, mit der distalen Hand eine Innenrotation des unterschenkels während man das Knie aus der Streckstellung beugt. Entsteht während der 15-25° Beugung eine Subluxation des lateralen Tibiaplateus die bei 30-40° wieder verschwindet, ist das ein Zeichen einer Ruptur des vorderen Kreuzbandes.

Mittels MRI (Magnetic resonance imaging) kann man aussagekräftige Bilder aller Teile des Knies erhalten. Dabei erzeugen starke Magneten Signale vom inneren des Knies. Diese werden dann in ein Bild umgewandelt welches die Verletzungen des Knies klar zeigt. Mann kann so nicht nur nachweisen ob ein vorderer Kreuzbandriss vorliegt, mann kann auch den Grad des Risses beurteilen.

Mittels Kernspintomographie (MRT) kann zusätzliche Sicherheit zu den oben genannten Test-Verfahren geben wenn zusätzliche Begleiterscheinungen wie Knorpelschädigungen oder ein Meniskusriss vermutet werden.

Welche Folgen hat ein Kreuzbandriss?

Aus der Funktion des Kreuzbänder is es ersichtlich das ein Kreuzbandriss die Stabilität des Knies stark einschränkt. Es kommt zu vermehrten Verschiebungen des Unterschenkels gegenüber dem Oberschenkel. Das Patient kann sich nicht auf das Knie verlassen und es droht ständige Wegknick-Gefahr. Ausserdem ist anzumerken, dass ein

Kreuzbandriss bei mäßig starker Verschiebung unter Umständen unerkannt bleiben und auf lange Sicht Verschleisserscheinungen des Kniegelenks hervorrufen kann.

Operative Behandlung

Ob das Kreuzband ersetzt werden soll, hängt von mehreren Faktoren ab wie Alter, Beruf, Instabilitätsgefühl und Erwartung des Patienten.

Die Beeinträchtigung und Erholungszeit ist nach Kreuzbandersatz-Operationen durch den Einsatz moderner, minimal invasiver Operationstechniken recht kurz. Für einen optimalen heilungsprozess ist es unbedingt notwendig, dass die Rehabilitation mit einer professionellen frühfunktionellen Nachbehandlung und mit einer aktiven Mitarbeit des Patienten erfolgt.

Nichtoperative Behandlung

Laut den Empfehlungen einer Webpublikation der American Academy of Orthopaedic Surgeaons kann bei manchen Patienten unter Umständen eine nicht operative Behandlung in folgenden Fällen erfolgreich verlaufen bzw. angebracht sein (1):

Literatur

1) American Academy of Orthopaedic Surgeons.: ACL Injury: Does It Require Surgery? http://orthoinfo.aaos.org/topic.cfm?topic=A00297 (Julie 2007)

Arendt EA, Agel J, Dick R.: Anterior Cruciate Ligament Injury Patterns Among Collegiate Men and Women. J Athl Train. Apr;34(2):86-92. 1999

Arendt EA, Dick R.: Knee injury patterns among men and women in collegiate basketball and soccer. Am J Sports Med 23(6):694-701, 1995.

Draper, DO. A .:comparison of stress tests used to evaluate the anterior cruciate ligament. Phys Sportsmed. Jan 1990; 18:89-96,

Myer GD, Ford KR, Palumbo JP, Hewett TE.: Neuromuscular training improves performance and lower-extremity biomechanics in female athletes. J Strength Cond Res.;19:51–60, 2005

Whitehill WR, Nelson K, Wright K.: Modified Lachman Test for Anterior Cruciate Ligament Stability. J Athl Train. 1994 September; 29(3): 256–257.

Submitted by Nizar Abu-Hamdeh