Tennisellbogen
Synonyme: Epicondylitis humeri radialis, Epicondylose
Definition, Ätiologie und Pathogenese
Es handelt sich um den am häufigsten auftretenden Überlastungsschaden des Ellbogengelenks, ein Schmerzsyndrom, welches durch eine Überlastungsreaktion der Sehnenplatte der Hand- und Fingermuskulatur am Epicondylus radialis des Humerus verursacht wird. Die einwirkende Zugkraft pro Fläche ist in diesem Bereich besonders gross, da die Handgelenk-Streckmuskulatur am Epicondylus lateralis eine sehr kleine Ursprungsfläche hat. Dadurch ist eine Voraussetzung zur Enstehung von degenerativen Veränderungen der Sehnen und Muskeln gegeben; mehrere exogene Faktoren können diese schliesslich auslösen (Geiger, 1997):
Technisch fehlerhafte Bewegungsausführung im Sport: z.B: Rückschäge aus dem Handgelenk beim Tennis
Falsches Material: zB: zu grosse oder zu kleine Griffstärke und zu harte Bespannung des Tennisschlägers
Fehlstatische Voraussetzungen, z.B: Cubitus varus
Koordinative Störung der Unterarmmuskulatur, z.B: lokale Übermüdung der Arbeitsmuskulatur
Neurogene Fehlsteuerung, z.B: Wurzelreizung beim Halswirbel-Syndrom, aber auch psychische Fehlverarbeitung (Übermotivation)
Epidemiologie
Der Erkrankungsgipfel liegt im 4.Lebensjahrzehnt, meistens jenseits des 45. Lebensjahres. Betroffen sind vor allem folgende Sportarten:
Rückschlagspiele: Tennis, Squash, Badminton
Sportklettern: Klimmzugtraining
Skilanglaufen: Stockarbeit
Kraftsport: Hantelübungen
Symptomatik
Folgende Symptome treten bei dieser Erkrankung auf. Meist sind diese recht eindeutig.
Druckschmerz am Epicondylus lateralis
Strangnahe Verdickung der Muskeln beim Ursprung
Schwellung im Bereich der Ansatzzone
Schmerzn am Epicondylus lateralis und Kraftminderung bereits bei alltäglichen Belastungen, die mit Anspannung der Unterarmstreckmuskulatur verbunden sind, wie Faustschluss, Maschinenschreiben, Händeschütteln
Die Patienten klagen über Schmerzen, die v.a. direkt außen am Ellenbogen lokalisiert sind und z. T. zur Schulter oder zum Handgelenk ausstrahlen. Ein Druckschmerz über dem lateralen Epicondylus ist typisch. Die Schmerzen werden meist verstärkt beim Händeschütteln und besonders beim Heben von Gegenständen mit proniertem Unterarm.
Diagnostik
Bei der Diagnostik können folgende Provokationstests angewendet werden:
Der Stuhlhebetest, im Englischen "Chair Test" genannt (Gardner 1970): Bei gestrecktem Ellenbogengelenk und 60° Anteflexion der Schulter soll der Patient einen ca. 3,5 kg schweren Stuhl an einem Stuhlbein anheben.
Der Thomsonscher Handgriff: Gegen Widerstand wird die überstreckte Faust nach unten gedrückt
Der Mittelfingerstrecktest. Streckung der Finger, ansonsten gleiche Position wie beim Thomsen-Test. Der Untersucher übt Druck gegen Widerstand auf den Mittelfinger in Richtung Palmarflexion im Metacarpophalangealgelenk aus.
Bowden-Test: Mit gestrecktem Ellbogen wird in Handeinwärtsdrehung eine Blutdruckmanschette langsam zusammengepresst. Der Druckwert, bei dem erstmals Schmerzen auftreten, gilt als quantitatives Mass für die Schmerzstärke.
Lässt sich so der typische Schmerz provozieren, gilt der jeweilige Test als positiv.
Bei unklarem klinischen Bild und zur Differentialdiagnose können Röntgenbilder gemacht werden. Das Röntgenbild ist meistens unauffällig, aber kann in manchen Fällen knöcherne Veränderungen am Epicondylus radialis zeigen. Frakturen oder freie Gelenkkörper können differentialdiagnostisch ausgeschlossen werden.
Therapie
Laut Geiger (1997) bringt eine konsequent durchgeführte konservative Therapie bei Beachtung aller Störfaktoren in 80-90% eine Ausheilung. Zu den erfolgsversprechenden Massnahmen zählt er:
Entlastung der Unterarmmuskulatur, in schweren Fällen Ruhigstellung mit Kunststoffverband
Material und Technikverbesserung bei Sportlern
Verbände zur Entlastung des Sehnenursprungs während der Sportausübung, z.B: Tapeverband, Epicondylitisbandagen mit Friktionseinsatz
Gefühlvolle Friktionsmassagen der proximalen Muskelabschnitte
Bei akuten Fällen Kältetherapie - Wärmeapplikation bei chonischen
Elektrotherapie, Ultraschall, Versuch mit Lasertherapie bzw. Stosswellenbehandlung
Lokale Applikation von antirheumatischen Gelen
Lokale Infiltrationsbehandlung weist für diese Erkrankung gute Erfolge auf. Für andere Bereiche wie Achillessehne, Bizepssehne und Quadrizpssehne ist sie wegen Sehennrupturgefar kontraindiziert.
Für eine Operation und die damit verbundenen möglichen Komplikationen muss eine strenge Indikation gegeben sein. Private und berufliche Umstände des Patienten und die Intensität der Schmerzen müssen betrachtet bevor man sich zu einer Operation entschliesst. Ausserdem sollte man es ausreichend lange mit einer konservativen Therapie versucht haben. Falls die konservative Therapie nach etwa einjährigen konservativen Therapieversuchs versagt kann man sich zu einer Operation entschliessen. Laut Maibaum et al. (2006) wird dabei das veränderte Sehnengewebe herausgeschntten und die einstrahlenden Nervenfasern unterbrochen (Operationsmethode nach Hohmann-Wilhelm modifiziert nach Nirschl). Die Erfolgsrate ist hier ca. 70-75%.
Prophylaxe
Kräftigungsübungen der Unterarmmuskulatur
Technik der Rückhand überprüfen
Materialprüfung allgemein z.B: Griffstärke, Bespannungshärte, Bälle (Druck) überprüfen
Literatur
Gardner RC.: Tennis elbow: diagnosis, pathology and treatment: nine severe cases treated by a new reconstructive operation. 72: 248-253; Clinical Orthopaedics 1970
Geiger, L.: Überlastungsschäden im Sport, 1. Auflage, S.100-101, BLV Sportwissen 1997
Hume PA, Reid D, Edwards T.: Epicondylar injury in sport: epidemiology, type, mechanisms, assessment, management and prevention. Sports Med. 2006;36(2):151-70
Hohmann, G. (1933): Das Wesen und die Behandlung des sogenannten Tennisellenbogens. Münch. 80:250-252. Medizinische Wochenzeitschrift 1933
Maibaum, S.; M. Braun; B. Jagomast; K. Kucera.: Therapielexikon der Sportmedizin, 2. Aufl. S. 198-199, Springer Medizin Verlag Heidelberg, 2006
Wilhelm, A.: Therapieresistente Epicondylitis humeri radialis und Denervationsoperation. S. 25-34. Perative Orthopädie und Traumatologie 1 (Heft 1), 1989
Submitted by Nizar Abu-Hamdeh